Alles kann, nichts MUSS
- Viveka Rebecca Brauckhoff
- 1. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Nov. 2025
Warum das kleine Wort "müssen" unseren Cortisolspiegel täglich in die Höhe treibt
Hand aufs Herz: Wie oft hörst du dieses kleine, scheinbar harmlose Wort in deinem Kopf? „Ich muss noch einkaufen.“ „Ich muss die Präsentation fertig machen.“ „Ich muss endlich mit dem Sport anfangen.“
Klingt harmlos. Ist es aber nicht. Denn dieses Müssen ist mehr als ein Verb — es ist ein innerer Auftraggeber, ein kleiner Tyrann, der ununterbrochen Befehle erteilt und uns in Alarmbereitschaft hält.
„Müssen“ fühlt sich an wie Druck von außen, auch wenn er aus unserem Inneren kommt. Dieses Gefühl aktiviert denselben Alarmknopf, den der Körper seit Urzeiten kennt: Wenn etwas dringend scheint, produziert der Körper Stresshormone — Cortisol gehört dazu. Kurzfristig hilft das: Wir sind wacher, handlungsbereit. Langfristig aber zersetzt Dauerstress unsere Ruhe, unsere Konzentration und unsere Freude.
Kurz gesagt: Wenn du ständig „müssen“ sagst, fährt dein Körper auf Halbmast — Balance fehlt, Regeneration fehlt, und kleine Aufgaben fühlen sich plötzlich wie Mount Everest an.
Wir entscheiden was wir müssen
Der fiese Trick ist: „müssen“ klingt so sicher. Es suggeriert, dass es keine Wahl gibt. Aber meistens ist es eine Interpretation — deine Interpretation. „Ich muss“ heißt selten: es gibt keine Alternative. Viel öfter heißt es: ich glaube, ich darf mir keine Pause erlauben, ich glaube, ich bin nur okay, wenn ich alles erledige.
Und genau diese Glaubenssätze füttern den Stress. Sie rauben dir Energie — und machen aus kleinen Pflichten ein Dauerfeuerwerk an innerer Alarmbereitschaft.
Das Muss durch Kann ersetzen
Was wäre, wenn du dein eigenes „müssen“ auf den Prüfstand stellst? Nicht radikal, nicht schuldig, sondern neugierig:
Ist das wirklich ein Muss — oder eher ein Wunsch, ein Anspruch, eine Erwartung?
Was passiert, wenn du das Muss ersetzt: „Ich kann…“ statt „Ich muss…“?
Ein einfaches Gedankenexperiment kann dabei schon reichen, ohne direkt in die Umsetzung gehen zu müssen. Allein diese Verschiebung nimmt dem inneren Tyrannen die Macht. „Ich kann“ öffnet Optionen — und Optionen reduzieren den Alarm.
Kleine Übung: Der 3-Schritte-Muss-Check (2–5 Minuten)
Mach das, sobald du das nächste „Ich muss…“ spürst.
Stop & Atme – Stoppe kurz. Lege eine Hand auf den Bauch. Atme 4 Sekunden ein, 4 Sekunden aus, 6 Sekunden Pause (oder 4–4–4, wenn dir das lieber ist). – Ziel: Das Cortisol-Startsignal dämpfen — dein Körper merkt: Keine Panik.
Frage nach der Wahrheit – Denke den Satz zu Ende: „Ich muss… [X]“ → Frage dich: Ist das objektiv zwingend? – Wenn nein → Schreibe kurz „Kann / Entscheide / Will“ daneben. Beispiel: Aus „Ich muss die E-Mail sofort beantworten“ wird „Ich kann die E-Mail heute Abend beantworten — ich entscheide, wann.“
Entscheidung – Ist das To-Do tatsächlich ein Muss undzwar Jetzt? Vielleicht kannst du es auf später verschieben (Bspw. "Ich beantworte alle meine E-Mails sobald ich um 09:00 Uhr im Büro bin und nicht schon auf dem weg dahin vom Handy aus"). Vielleicht hast du die Option es zu delegieren ("Ich bitte Person XY heute darum die Spülmaschine auszuräumen"). Oder vielleicht kannst du es ganz umschreiben ("Ich kann heute an meinem Hobby weiterarbeiten, aber ich muss es nicht, auch wenn es schon seit Tagen hier unberührt rumliegt. Es ist und bleibt ein Hobby").
Wiederhole den Check ein paar Tage — und du wirst merken: So viel müssen wir im Alltag eigentlich gar nicht.
Schnelle Tricks für den Alltag
Schreib dir ein „Kann-Postit“: Ein kleines Schild an deinem Bildschirm mit „Alles kann. Nichts muss.“
Ersetze das Wort innerlich: Statt „ich muss“ bewusst „ich entscheide“ denken. Das macht einen erstaunlichen Unterschied.
Hinterfrage deine To-Do Liste häufiger in der Woche: Sind das wirklich alles zwingende Aufgaben? Oder sind manche nur dein schlechtes Gewissen bspw. gegenüber dem angefangenen Holzprojekt in der Werkstatt, dass dich seit drei Wochen schon nicht mehr gesehen hat (Jap, das muss ich regelmäßig von meiner "Muss"-Liste auf die "Kann"-Liste zurückschieben)?
Du bist keine Maschine — und das ist gut so
Das Leben läuft nicht besser, wenn du dauernd unter Druck stehst. Es läuft besser, wenn du hinterfragst, korrigierst und auswählst. Wenn du mit Klarheit entscheidest, statt dich vom inneren „Muss“ treiben zu lassen. Gönn dir den Perspektivwechsel. Du musst nicht alles regeln. Du darfst wählen.
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